Tuesday, 17 April 2007

feminismus. war was?

Eigentlich habe ich ja immer gedacht: Feministin sein. Nee, das ist scheiße. Schließlich habe ich mir Sprüche wie Kampflesbe, Emanzenweib und Männerhasser lange genug angehört. Das muss echt nicht, wie es so schön heißt. Außerdem sind wir ja alle emanzipierte, aufgeklärte Frauen - wir würden uns so schnell ja nichts mehr sagen lassen. Sagen wir doch alle, alle Nase lang.

Leider, leider machen es mir meine weiblichen Mitbürger meiner Altersklasse wirklich nicht leicht, ihnen zu glauben. Die ersten Zweifel kamen mir beim Studium des alltäglichen Balzverhaltens meiner Kommilitoninnen, das in einer Seminarsdiskussion doch eher wenig verloren hat.

Seit heute aber weiß ich es sicher: Ob dritte oder vierte Welle, das ist eigentlich egal. Und es darf sich nicht nur gegen die Männer richten.* Denn der Feind ist unter uns und kommt - wer hätte es gedacht - zum Beispiel auch in Form einer Girlgroup.

Die heißt Bisou, besteht aus drei Gören, die bei Popstars rausgeflogen sind (Was wirklich nichts über ihr Talent aussagt), und die jetzt von Bushido gecastet wurden. Alles nicht so schlimm. Die Welt braucht wirklich mehr Girlgroups, und wenn Bushido so was macht, dann kann das bestimmt auch noch ganz lustig werden.

Leider aber dürfen die Mädels nicht nur singen und ihren Hintern zeigen (was ich so rein feminismustechnisch völlig unbedenklich finde), sondern sie geben auch Interviews. Und wie wir ja alle wissen, braucht eine Frau ja nur den Mund aufmachen, damit der Schwachsinn wieder rauskommt, der über Jahre hineingeschoben wurde. Das sieht dann so aus.

Auszug aus teleschau und Bisou im Gespräch
teleschau: Ihr seid auch auf Bushidos Label ersguterjunge - eigentlich ein hartes HipHop-Label…
Elvira: Wir sind auch die einzigen Mädels, die auf dem Label vertreten sind. Deswegen sind wir auch deren Püppchen.
teleschau: Das heißt?
Eliana: Wenn wir backstage bei "The Dome" sind, dann laufen wir vorneweg in unseren Röckchen, und hinter uns zehn Männer, die aussehen wie Schränke. Die lassen uns nicht eine Sekunde aus den Augen. Wenn wir aufstehen, um nur mal eben zur Toilette zu gehen, heißt es gleich: "Hey! Wo gehst Du hin?" Das ist cool. Da fühlt man sich total sicher.

Muss man dazu jetzt noch was sagen? Ist das nicht ein bisschen wie Vogonenlyrik?

Die Girlgroup auf dem HipHop-Label, da ist uns ja allen klar, dass das nicht passen kann. Schließlich klingen sie ja auch ein bisschen wie Xavier Naidoo und wurden von Bushido gecastet. Was also machen die da? Der Zusammenhang ist mir nicht klar. Egal, jetzt ist es passiert.

Aber wenigstens sind sie die einzigen Frauen da. Vielleicht hatten alle anderen Musikerinnen keinen Bock Püppchen genannt zu werden und sind bei anderen Labels. (Diese Verniedlichungsform eines unbelebten Objekts fände ich persönlich schwierig. Vielleicht möchte ich dann doch lieber Nutte genannt werden, die zahlen wenigstens Steuern.)

Andererseits hat so ein Püppchenstatus ja auch immense Vorteile, die ich immer wieder gerne übersehe. Wenn ich in meinem Röckchen durch die Gegend laufe, dann folgen mir einfach keine zehn Schränke (Unbelebte Objekte, die u.a. der Aufbewahrung von Puppen dienen), die mich keine Sekunde aus den Augen lassen. Das schränkt mein Sicherheitsgefühl natürlich stark ein. Denn wenn ich mal ehrlich bin, hätte ich doch nichts lieber als drei Kerle, die sich bei der kleinsten Bewegung vor mir aufbauen und fragen: „Hey, wo gehst du hin?" Dann könnte ich zum Beispiel antworten: Ich gehe meinen Tampon wechseln. Ich gehe mir den Finger in den Hals stecken. Ich gehe einen Schwangerschaftstest machen. Ich gehe mal eben meinen Lippenstift nachziehen und lerne derweil das BGB auswendig. Bleib du solang hier stehen.

Nein, nein. Das ist ja alles nicht schlimm. Alles nicht so schlimm, wie es klingt. Schließlich hat man in Zeiten des Terrorismus und des wiederauflebenden Machismo ja auch diverse, diffuse Ängste auszustehen. Aber mal ehrlich, Mädels, was ihr da sagt hört sich in Normalsprache in etwa so an:

Ich finde es gut, dass ich dort nicht als Musikerin/Sängerin gesehen werde, sondern als exotisches Objekt. Wir sind sozusagen die Haustiere und Maskottchen dieses elitären Clubs. Auf uns muss man aufpassen, denn in unseren kurzen Röckchen wirken wir sexuell attraktiv. Diese sexuelle Attraktion muss in geregelte Bahnen gelenkt werden, denn sonst könnte so ein Schrank von einem Mann kommen und uns ansprechen. Deshalb werden wir von zehn anderen Schränken bewacht. Und kontrolliert. Überall. In jeder Situation. Denn es obliegt nicht uns, zu entscheiden, was sicher ist und was wir tun. Wir finden das gut. Das wollen wir. Denn wenn Männer auf uns aufpassen, müssen wir keine Angst vor Männern haben.

Ich glaube, Kampflesbe und Emanzenweib sind wirklich keine Beleidigungen. Und Männerhasserin ist schlichtweg üble Nachrede. Das kann man doch bestimmt verklagen.

* Was, liebe Männer, der Feminismus bis auf einige (fehlgeleitete) Ausnahmen auch nicht tut. Naja, und wenn ich mal ehrlich sein darf: Verdient hattet ihrs ja schon. Ich relativiere das jetzt auch nicht. Ich meine dich. Genau dich. Hinterfrag dich mal bitte ab und zu. Wie portraitieren deine Videospiele und Pornos Frauen? Stimmen deine Vorstellungen über weibliche Sexualität mit der der Frauen überein? Wie redest du und wie lässt du deine Kumpels über Frauen reden? Was für ein Weltbild ergibt sich daraus? Gibt es dort vielleicht eine kleine Diskrepanz zwischen gelebtem und gefühltem Frauenbild? Falls du alleine nicht weiterkommst: Eine Freundin deines Vertrauens hilft dir bestimmt gerne weiter. Und für die Englischsprechenden noch eine schöne Anregung:

glumbert.com - Killing Us Softly: Advertising's Image of Women

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